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Operation Downfall
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Die Operation Downfall war der alliierte Plan zur Invasion der Hauptinseln Japans zum Ende des Pazifikkrieges im Zweiten Weltkrieg.
Der Plan war in zwei Teile gegliedert, die Operation Olympic, welche die Invasion von KyĆ«shĆ« im November 1945 vorsah, sowie die Operation Coronet, welche die Invasion von HonshĆ« nahe bei Tokio im FrĂŒhjahr 1946 beinhaltete. Nach den AtombombenabwĂŒrfen auf Hiroshima und Nagasaki und der Sowjetischen Invasion der Mandschurei kapitulierten die Japaner jedoch, bevor die PlĂ€ne umgesetzt wurden.
Contents
âą Vorgeschichte
âą Planung
âą Kamikaze-Einsatz
⹠SeestreitkrÀfte
âą Bodentruppen
âą Ziviler Einsatz
âą Luftverteidigung
âą Siehe auch
âą Anmerkungen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Vorgeschichte
Schon 1943 kamen die Oberkommandierenden der amerikanischen StreitkrĂ€fte darin ĂŒberein, dass die Japaner spĂ€testens ein Jahr nach den Deutschen kapitulieren sollten. Darin wurden sie bestĂ€rkt, als britische PlĂ€ne bekannt wurden, die die Einnahme des japanischen Heimatlandes nicht vor dem FrĂŒhjahr 1947 vorsahen. Durch einen solchermaĂen verlĂ€ngerten Krieg sahen die Amerikaner die Kampfmoral der eigenen Bevölkerung in Gefahr. Zudem hatte die Sowjetunion auf der Sextant-Konferenz Ende November 1943 eine verpflichtende ErklĂ€rung abgegeben, sich dem Krieg im Fernen Osten anzuschlieĂen, sobald der Krieg mit Deutschland beendet sei.cite-ref-13-1-0[1]
Im Sommer 1944 kam es dann auch zu der lang erwarteten hohen Opferzahl des Zweiten Weltkriegs, mit der Invasion in der Normandie in Europa und der Schlacht um die Marianen-Inseln im Pazifik. Amerika litt spĂ€testens ab diesem Zeitpunkt an einem Mangel an Soldaten. Dies machte sich auch auf der politischen BĂŒhne bemerkbar, wo Kriegsminister Henry Stimson und der Armeestabschef George C. Marshall kontrĂ€re Meinungen zu dem Problem vertraten. WĂ€hrend Stimson sich groĂe Sorgen um die Truppeneinsatzmöglichkeiten an den Fronten machte, sah Marshall die Sache wesentlich optimistischer. Die Kompromisslösung bestand darin, bis Mitte Februar die letzten neun ungebundenen Divisionen ĂŒber den Atlantik zu schicken, darunter zwei, die speziell fĂŒr die Invasion Japans ausgebildet worden waren. In der Zwischenzeit rĂŒckten die Anforderungen fĂŒr genau diese Operation aber in den Vordergrund, als Briefe, die den kritischen Personalbedarf des MilitĂ€rs umrissen, von PrĂ€sident Roosevelt, Marshall und dem Chef der Marineoperationen Ernest J. King an den MilitĂ€rausschuss des ReprĂ€sentantenhauses geschickt und in der New York Times und anderen Zeitungen am 17. Januar 1945 veröffentlicht wurden.cite-ref-2-2-0[2]
âDie Armee muss bis zum 30. Juni 600.000 Mann Ersatz fĂŒr beide ĂŒberseeische KriegsschauplĂ€tze bereitstellen und wird zusammen mit der Marine insgesamt 900.000 Soldaten einberufen.â
Es folgte Stimsons AnkĂŒndigung, dass die monatliche Einberufung des Wahldienstes der Armee, die bereits im Januar 1945 von 60.000 auf 80.000 erhöht worden war, im MĂ€rz noch einmal in Erwartung der Invasion von Japan auf 100.000 Mann pro Monat gesteigert werden muss. Gleichzeitig wurden die AGFcite-ref-3[A 1]-Ersatzausbildungszentren ausgebaut und erreichten im Juni, Monate nachdem US-Divisionen an der Elbe zum Stillstand gekommen waren, einen Kriegshöchststand von 400.000.cite-ref-2-2-1[2]cite-ref-4[3]
Planung
Im weiteren Kriegsfortschritt sahen sich die Joint Chiefs of Staff (JCS) immer mehr mit der Aussicht konfrontiert, dass eine bedingungslose Kapitulation von Japan eine Invasion des japanischen Heimatlandes erfordern könnte.cite-ref-3-5-0[4]
FĂŒr die Operationsplanung zur Operation Downfall zeichneten die USA verantwortlich. Da zu diesem Zeitpunkt die Entwicklung der Atombombe innerhalb des Manhattan-Projekts noch ein streng gehĂŒtetes Geheimnis war und auch in FĂŒhrungskreisen nur sehr wenige eingeweiht waren, spielte sie bei der Planung keine Rolle.
Einige wichtige Offiziere der US-Navy und der Army Air Force, angefĂŒhrt von Flottenadmiral Ernest J. King, Chief of Naval Operations, und General Henry H. Arnold, Chief of the Army Air Force, argumentierten, dass eine Kombination aus Seeblockaden und Luftangriffen eine Japanische Kapitulation ohne die Notwendigkeit einer Bodeninvasion ermöglichen wĂŒrde. Der Chief of Staff of the Army, General George C. Marshall, und seine Armeeplaner glaubten jedoch, dass Japans Kapitulation zu den von den Alliierten geforderten Bedingungen nur durch eine Invasion seines Heimatgebiets sichergestellt werden könne. Beide Seiten hatten legitime Argumente vorgebracht, aber die Debatte schien auch den organisatorischen Wettbewerb zwischen den StreitkrĂ€ften widergespiegelt zu haben.cite-ref-3-5-1[4]
FĂŒr eine Invasion in Japan musste eine gemeinsame FĂŒhrung aus den bisher geteilten Pazifikkommandos gebildet werden. Nach einigem Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen FĂŒhrungsebenen der unterschiedlichen Waffengattungen einigte man sich auf US-General Douglas MacArthur.
Die Gesamtplanung fĂŒr Downfall wurde den höchsten Ebenen der US-Kommandostruktur unternommen. Verantwortlich zeichneten neben General MacArthur:
âą Fleet Admiral Chester W. Nimitz â Oberbefehlshaber der alliierten Marineeinheiten im Pazifik und Commander in Chief, Pacific Ocean Areas (CINCPOA),
âą Fleet Admiral Ernest J. King â Chief of Naval Operations (CNO),
âą Fleet Admiral William D. Leahy â Vorsitzender der Combined Chiefs of Staff,
âą General of the Army George C. Marshall â Chief of Staff of the Army,
âą General of the Army Henry H. Arnold â Oberbefehlshaber der United States Army Air Forcescite-ref-chant1-6-0[5]
Mitte 1944 begann sich dann ein Konsens ĂŒber die Notwendigkeit zu bilden, eine Invasion zumindest zu planen und vorzubereiten. Daher bereitete die Armeeabteilung des Joint War Plans Committee (JWPC) eine Studie ĂŒber das damals umstrittene Thema der Operationen gegen KyĆ«shĆ« vor, wobei sie völlig unabhĂ€ngig von den Marinemitgliedern des Komitees arbeitete.cite-ref-12-7-0[6]
Anfang Juli des Jahres genehmigten die Joint Chiefs of Staff einen Bericht seines Joint Planning Staff (JPS), wonach die bedingungslose Kapitulation durch die Untergrabung der FÀhigkeit und des Willens Japans zum Widerstand durch See- und Luftblockaden, intensive Luftangriffe und die Zerstörung der japanischen Luft- und SeestreitkrÀfte erreicht werden sollte; und letztendlich auch durch die Invasion und Eroberung von Zielen im japanischen Industriekern.cite-ref-3-5-2[4]
Dieser Bericht forderte die Invasion der RyĆ«kyĆ«-Insel Okinawa und der japanischen Heimatinsel KyĆ«shĆ«, um StĂŒtzpunkte fĂŒr eine entscheidende Bodeninvasion in der Tokio-Ebene zu starten, der Region um die japanische Hauptstadt auf der zentralen Insel HonshĆ«. Er wurde die Grundlage fĂŒr eine vereinbarte ErklĂ€rung bei der Octagon-Konferenz in QuĂ©bec zwischen US-PrĂ€sident Franklin D. Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill.cite-ref-3-5-3[4]
Die PlĂ€ne fĂŒr Downfall wurden von den Combined Chiefs of Staff erstmals Anfang 1945 auf der Argonauten-Konferenz auf Malta erarbeitet. Am 9. Februar 1945, nur wenige Tage vor dem historischen Drei-MĂ€chte-Treffen in Jalta, wurden US-PrĂ€sident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill ĂŒber die Schlussfolgerungen von Argonaut informiert. Damals postulierte das strategische Konzept der zukĂŒnftigen Operationen im Pazifik die Niederlage Japans innerhalb von 18 Monaten nach der Kapitulation Deutschlands.
Am 3. April 1945 wurden von den Joint Chiefs of Staff General Douglas MacArthur und Admiral Chester Nimitz beauftragt PlĂ€ne zu entwickeln und mit den Vorbereitungen fĂŒr eine Invasion von KyĆ«shĆ« zu beginnen. Dies war aber nur eine reine Planungsrichtlinie, kein AusfĂŒhrungsauftrag.
Selbst zu diesem Zeitpunkt zögerten Admiral King und Admiral Leahy, die Invasionsentscheidung als vollendete Tatsachen zu behandeln. Obwohl sie sich nicht direkt gegen eine Invasion aussprachen, befĂŒrworteten sie weiterhin Zwischenziele entlang der chinesischen KĂŒste. Aber mit der Invasion von Okinawa Anfang April 1945 verspĂŒrten die militĂ€rischen und zivilen FĂŒhrer der USA eindeutig einen wachsenden Druck, den nĂ€chsten Schritt in der Pazifikstrategie festzulegen. Ende April einigte man sich darauf, Anweisungen fĂŒr pazifische Kommandeure zu formulieren, die darauf abzielten, mit einer Invasion auf KyĆ«shĆ« fortzufahren.cite-ref-3-5-4[4]
Die Wahl des Oberbefehlshabers der Gesamtoperation fiel zwischen MacArthur und Nimitz. Unterdessen gaben beide eine gemeinsame Empfehlung in einem Punkt ab, in dem sie sich einig waren. Dies war das Zieldatum fĂŒr die Invasion von KyĆ«shĆ«, das der 1. November 1945 sein sollte. Die Planungsrichtlinie vom 3. April hatte noch den 1. Dezember als Invasionsdatum fĂŒr KyĆ«shĆ« und den 1. MĂ€rz 1946 fĂŒr HonshĆ« angegeben. Sowohl MacArthur als auch Nimitz argumentierten, dass die Planung der Invasion von KyĆ«shĆ« bis zum 1. Dezember die Operation WetterunwĂ€gbarkeiten aussetzen wĂŒrde, die dazu fĂŒhren könnten, dass sie auf das FrĂŒhjahr 1946 verschoben wird, was zu einer erheblichen Verzögerung der Beendigung des Krieges fĂŒhren wĂŒrde.
Am 25. Mai 1945 schickten die Joint Chiefs of Staff schlieĂlich eine Anweisung, in der MacArthur die âHauptverantwortung fĂŒr die DurchfĂŒhrung der Operation OLYMPICâ (Deckname fĂŒr die KyĆ«shĆ«-Invasion) zugewiesen und der 1. November als Datum festgelegt wurde. Die Invasion von HonshĆ« (Deckname CORONET) blieb fĂŒr den 1. MĂ€rz 1946 geplant.cite-ref-3-5-5[4]
Die vorgeschlagenen Ziele waren:
1. Nach der Okinawa-Operation (Operation Iceberg) zusĂ€tzliche Positionen zu besetzen um die Bombardierungen Japans zur Blockade zu intensivieren, um eine gĂŒnstige Situation zu schaffen fĂŒr:
2. Einen Angriff auf KyĆ«shĆ« mit dem Ziel, die japanischen Möglichkeiten weiter zu reduzieren, indem groĂe feindliche StreitkrĂ€fte eingedĂ€mmt und zerstört werden und die Blockade und Bombardierung weiter intensiviert werden, um eine taktische Bedingung zu schaffen, die gĂŒnstig ist fĂŒr:
3. Die entscheidende Invasion des industriellen Herzens Japans durch die Tokyo-Ebene.cite-ref-1-8-0[7]
Japan selbst bot landschaftlich viele Möglichkeiten fĂŒr Landungstruppen. Die geeignetsten StrĂ€nde lagen auf der sĂŒdlichen Insel KyĆ«shĆ« und der Kanto-Ebene sĂŒdwestlich und sĂŒdöstlich von Tokio. Daher wurde eine Invasion in zwei Schritten beschlossen. Mit der Operation Olympic sollte zuerst KyĆ«shĆ« eingenommen werden, damit dort MilitĂ€rflugplĂ€tze errichtet werden konnten. Mit diesen wĂ€re es möglich gewesen, der folgenden Operation Coronet verstĂ€rkte LuftunterstĂŒtzung in der Bucht von Tokio zu gewĂ€hren.
Zur Vorbereitung gehörte auch das AusspÀhen der japanischen Einheiten, die zur Verteidigung des Mutterlandes bereitstanden. Basierend auf Anfang 1945 gewonnenen geheimdienstlichen Berichten lauteten die Voraussagen wie folgt:
⹠Der Invasion wird sich nicht nur das japanische MilitÀr entgegenstellen, sondern auch eine fanatische, feindlich gesinnte Zivilbevölkerung.
âą Zu Beginn der Operation Olympic werden drei feindliche Divisionen im sĂŒdlichen KyĆ«shĆ« stationiert sein und noch einmal drei im Norden der Insel.
âą Die gesamte feindliche Streitmacht gegen die Operation Olympic wird acht bis zehn Divisionen nicht ĂŒbersteigen. Diese Anzahl kann aber schnell erreicht werden.
⹠Auf Honshƫ werden zu Invasionsbeginn 21 feindliche Divisionen stationiert sein, davon allein 14 in der Kanto-Ebene.
âą Die Japaner werden höchstwahrscheinlich ihre landbasierte Luftwaffe auf das asiatische Festland verlegen, um sie vor amerikanischen Angriffen zu schĂŒtzen. Unter diesen UmstĂ€nden ist es möglich, dass eine Flotte von 2.000 bis 2.500 Kampfflugzeugen bei einer stetig weiter produzierenden Industrie aufgebaut werden kann und diese auch bei der vorgesehenen Invasion auf KyĆ«shĆ« gegen die Landungstruppen eingesetzt werden wird. Als ZwischenstĂŒtzpunkte können einheimische FlughĂ€fen genutzt werden.
Die Operation Downfall sollte mit Ausnahme eines Teils der British Pacific Fleet eine rein amerikanische Operation sein. Sie forderte den Einsatz des gesamten Marine Corps, der gesamten Pazifikflotte, Elemente der Seventh Air Force, die Eighth Air Force, die erst kĂŒrzlich aus Europa verlegt worden war, die Tenth Air Force und die American Far Eastern Air Force. An den KĂ€mpfen wĂ€ren mehr als 1,5 Millionen Kampfsoldaten, davon 3 Millionen weitere als UnterstĂŒtzung oder mehr als 40 % aller Soldaten, die 1945 noch Uniform trugen, direkt beteiligt. Es wurde mit extrem hohen Verlusten gerechnet.cite-ref-0-9-0[8]
Die Joint Chiefs of Staff gingen davon aus, dass der Krieg in Europa am 1. Juli 1945 vorbei sein und die bevorstehende Okinawa-Operation bis Mitte August 1945 abgeschlossen sein wĂŒrde. Aufgrund dieser Annahme legten sie einen vorlĂ€ufigen Zeitplan fĂŒr die Invasion Japans fest.cite-ref-1-8-1[7] Um die Anzahl der zur VerfĂŒgung stehenden Soldaten zu erhöhen, wurde im Sommer 1945 unter den Decknamen Operation Transit damit begonnen, Truppeneinheiten aus Europa ĂŒber den Panamakanal in den Pazifikraum zu verlegen.cite-ref-chant12-10-0[9]
Am 15. Juni 1945 legte das JWPC seinen Entwurf des Papiers dem Joint Planning Staff vor. Ein darauf basierendes Memorandum von Admiral Leahy bereitete das Treffen am 18. Juni mit PrĂ€sident Truman vor, bei dem die PlĂ€ne zur Beendigung des Krieges mit Japan ĂŒberprĂŒft werden sollten.
Operation Olympic
Der Start der Operation Olympiccite-ref-11[A 2]cite-ref-chant13-12-0[10] war fĂŒr den 1. November 1945 (X-Day) vorgesehen. Die alliierte Streitmacht fĂŒr die Landungen war die gröĂte, die jemals zusammengestellt wurde. Sie bestand aus 42 FlugzeugtrĂ€gern, 24 Schlachtschiffen und etwa 400 Zerstörern mit ihren Begleitschiffen. FĂŒr die Landungen selbst waren 14 US-Divisionen vorgesehen. Als Zwischenbasis stand Okinawa bereit, von wo aus der SĂŒdteil von KyĆ«shĆ« eingenommen werden sollte. Weiterhin gab es einen Plan zur IrrefĂŒhrung, die Operation Pastel, die einen alliierten Angriff auf die HĂ€fen von China vortĂ€uschen sollte.
FĂŒnf Tage vor der Hauptinvasion war die Einnahme der Inseln Tanegashima, Yakushima und der Koshiki-Inselkette geplant. Dies resultierte aus den positiven Erfahrungen der Schlacht um Okinawa, wo AnkerplĂ€tze fĂŒr Schiffe, die nicht mehr an den LandungsstrĂ€nden benötigt wurden, oder fĂŒr beschĂ€digte Schiffe zur VerfĂŒgung gestanden hatten.
General Walter Kruegers 6. US-Armee sollte auf KyĆ«shĆ« bei Miyazaki, Ariake (heute: Shibushi), und Kushikino (heute: Ichiki-Kushikino) anlanden. Die Eastern Assault Force, bestehend aus der 25., 33. und 41. Infanteriedivision, wĂŒrde in der NĂ€he von Miyaski an den nach Automarken benannten StrĂ€nden Austin, Buick, Cadillac, Chevrolet, Chrysler und Ford landen und landeinwĂ€rts ziehen, um zu versuchen, die Stadt und den nahe gelegenen Flugplatz zu erobern. Die Southern Assault Force, bestehend aus der 1st Cavalry Division, der 43. Division und der Americal Division, wĂŒrde in der Ariake-Bucht an den StrĂ€nden DeSoto, Duesenberg, Essex, Ford und Franklin landen und versuchen, Ariake und die Stadt Kanoya und deren Flugplatz zu erobern.cite-ref-0-9-1[8]
Das V Amphibious Corps sollte mit der 2., 3. und 5. Marinedivision an den StrÀnden Pontiac, Reo, Rolls-Royce, Saxon, Star, Studebaker, Stutz, Winston und Zephyr landen und die HÀlfte seiner Truppen landeinwÀrts nach Sendai schicken und die andere HÀlfte in die Hafenstadt Kagoshima.cite-ref-0-9-2[8]
Die Planer gingen davon aus, dass die Amerikaner den Japanern im VerhĂ€ltnis 3:1 ĂŒberlegen sein wĂŒrden, wenn an jeder Landungsstelle ein Korps an Land ginge. Im FrĂŒhjahr 1945 war Ariake mit dem danebenliegenden Hafen die einzige schwer bewachte Stelle aller Landungspunkte. Die Einheiten an allen anderen Punkten sollten daher kaum Schwierigkeiten beim Vordringen ins Landesinnere haben.
Die Invasion war allerdings nicht darauf ausgelegt, die komplette Insel zu erobern, sondern nur das sĂŒdliche Drittel unterhalb einer Linie von Tsuno an der OstkĂŒste bis Sendai im Westen. Von dort aus war geplant, mit ausgebauten StĂŒtzpunkten die Operation Coronet zu unterstĂŒtzen, ganz besonders mit FlughĂ€fen fĂŒr die US Army Air Forces damit die geplanten Operationen gegen die Industriezentren von HonshĆ« geflogen werden konnten. Dazu wurden vier Flachlandgebiete, die fĂŒr den Aufbau von groĂen FlugplĂ€tzen geeignet waren, ausgewĂ€hlt. Eine Ebene erstreckte sich von Kagoshima am Westufer der gleichnamigen Bucht durch einen schmalen Korridor bis zur Kushikino-Ebene am Ostchinesischen Meer. Eine zweite verlief von Shibushi an der Ariake-Bucht nordwĂ€rts, durch ein gewundenes Tal nach Miyakonojo; die dritte begann in Kanoya, östlich der Kagoshima-Bucht und folgte der KĂŒste der Ariake-Bucht. Die vierte und gröĂte befand sich nördlich von Miyazaki an der OstkĂŒste.
Um diese Gebiete schnellstmöglich einzunehmen, sollten die ersten Angriffe darauf ausgerichtet sein, die Buchten Kagoshima und Ariake als TransporthĂ€fen zu sichern. Der VorstoĂ ins Landesinnere wĂŒrde dann bis zur Tsuno-Sendai-Linie ausgedehnt, um GebirgspĂ€sse zu blockieren und feindliche VerstĂ€rkungen aus dem Norden zu verhindern.cite-ref-1-8-2[7]
Operation Coronet
Der Start der Operation Coronet war fĂŒr den 1. MĂ€rz 1946 (Y-Day) vorgesehen. Die bis dahin gröĂte amphibische Operation aller Zeiten sollte auf HonshĆ« in der Ebene der Hauptstadt Tokio stattfinden. Dazu war der Einsatz von 25 Divisionen vorgesehen. Der 1. US-Armee unter General Courtney H. Hodges war der Kujukuri-Strand auf der BĆsĆ-Halbinsel zugeteilt, wĂ€hrend die 8. US-Armee unter Generalleutnant Robert L. Eichelberger die Invasion bei Hiratsuka in der Sagami-Bucht starten sollte. AnschlieĂend sollten beide Armeen nördlich ins Landesinnere vorstoĂen und sich dann in Tokio vereinen.
Die Operation Coronet sollte von allen Heeres- und MarinestreitkrĂ€ften im Pazifik unterstĂŒtzt und zusĂ€tzlich durch zahlreiche aus Europa verlegte Kampfeinheiten ergĂ€nzt werden. Die Luft-, See- und LogistikunterstĂŒtzung wĂŒrde nach dem gleichen Muster wie bei der Operation Olympic ausgefĂŒhrt werden, allerdings in einem vergröĂerten MaĂstab. Die zwischen General MacArthur, Admiral Nimitz und General Spaatz aufgebauten Befehlsbeziehungen sollten fortgefĂŒhrt werden.
Die Planung sah Landungen von 10 verstĂ€rkten Infanteriedivisionen, drei Marinedivisionen und zwei Panzerdivisionen vor. Diese sollten von StĂŒtzpunkten auf den Philippinen und im Zentralpazifik kommenden Schiffen und Flugzeugen der Pazifikflotte sowie durch landgestĂŒtzte Flugzeuge geschĂŒtzt werden. Eine VerstĂ€rkung jeder Armee durch ein Korps von drei Divisionen war fĂŒr 30 Tage nach dem ersten Angriff vorgesehen. FĂŒnf Tage danach wĂŒrden eine Luftlandedivision und ein AFPAC-Reservekorpscite-ref-13[11] (Army Forces in the Pacific) von drei Divisionen zur VerfĂŒgung gestellt. Diese 25 Divisionen sollten die Kanto-Ebene, einschlieĂlich der allgemeinen Gebiete Tokio und Yokohama, einnehmen und dann alle zusĂ€tzlichen Operationen durchfĂŒhren, die erforderlich sind, um den japanischen Widerstand zu brechen. Die strategische Reserve fĂŒr die gesamte Operation wĂŒrde aus einem Korps von drei Divisionen auf den Philippinen und einer ausreichenden Anzahl von Divisionen aus den Vereinigten Staaten bestehen, um eine VerstĂ€rkung von vier Divisionen pro Monat zu ermöglichen.cite-ref-1-8-3[7]
FĂŒr Zentral-Honshu war zunĂ€chst nur der Einsatz amerikanischer Truppen vorgesehen, aber es wurden PlĂ€ne fĂŒr den Heranzug australischer, kanadischer, britischer und französischer Divisionen in den folgenden Phasen des Feldzugs gemacht. Sie wĂŒrden eingesetzt, falls der japanische Widerstand weitergehen sollte, auch wenn Japan weitgehend in amerikanischer Hand war.cite-ref-1-8-4[7]
Der japanische Verteidigungsplan âKetsu-gĆâ
â
Hauptartikel
:
Operation Ketsu-gĆ
Unterdessen arbeiteten die Japaner ihren eigenen Plan aus, da sie eine Invasion bereits wĂ€hrend des Sommers 1945 erwarteten. Doch da die Schlacht um Okinawa sich lĂ€nger als erwartet hinzog, gingen sie davon aus, dass die Amerikaner nicht in der Lage wĂ€ren, vor der Taifun-Saison eine neue Operation zu starten. FĂŒr eine amphibische Operation wĂ€re aber das Wetter dann zu riskant geworden.
Da die Japaner keine realistische Chance mehr sahen, den Krieg gewinnen zu können, setzten sie darauf, das Mutterland mit einer solchen StĂ€rke zu verteidigen, die den Amerikanern eine Eroberung nur unter untragbaren Verlusten möglich machen wĂŒrde. Dies zielte letztlich auf einen möglichen Waffenstillstand.
Der japanische Plan fĂŒr die Abwendung der Invasion wurde Operation Ketsu-gĆ (æ±șć·äœæŠ, Ketsu-gĆ sakusen) genannt, auf Deutsch etwa âOperation Entscheidungâ.
Die EinschĂ€tzung des japanischen Geheimdienstes war insoweit korrekt, dass das Hauptziel der ersten US-Landungen das sĂŒdliche KyĆ«shĆ« sein wĂŒrde, insbesondere das Gebiet der Kagoshima-Bucht, da dort die Möglichkeit bestand, einen Ankerplatz fĂŒr Marineeinheiten und FlugplĂ€tze zu schaffen. Damit konnten die alliierten StreitkrĂ€fte eine bessere Luftabdeckung und LuftunterstĂŒtzung fĂŒr die nachfolgenden Operation gewĂ€hrleisten. Der SĂŒden KyĆ«shĆ«s befand sich gerade noch innerhalb der maximalen Reichweite von US-Jagdflugzeugen, die von Okinawa aus flogen. Daher bewerteten die Japaner SĂŒd-KyĆ«shĆ« als erstes Ziel.
Ebenfalls richtig war die EinschĂ€tzung, dass die USA nicht versuchen wĂŒrden, die komplette Insel einzunehmen, sondern irgendwann eine Verteidigungslinie bilden wĂŒrden, um die neu gewonnenen Stellungen zu halten. Dann wĂŒrden die neuen, gröĂeren Operationen vorbereitet, damit Truppen in der NĂ€he von Tokio landen könnten.cite-ref-4-14-0[12]
Auch die Voraussage der genauen LandestrĂ€nde auf KyĆ«shĆ« erfolgte mit fast unheimlicher PrĂ€zision. Obwohl die Japaner ursprĂŒnglich dachten, dass die Landungen bereits im Juli stattfinden könnten, Ă€nderten sie ihre SchĂ€tzung aufgrund der Zeit, die die USA brauchten, um Okinawa zu erobern, und des ĂŒblichen Endes der Taifun-Saison im Oktober. Somit lagen sie mit ihrer Prognose, dass die Landungen Ende Oktober oder Anfang November stattfinden wĂŒrden, völlig richtig.cite-ref-4-14-1[12]
Kamikaze-Einsatz
Die japanische Abwehr setzte ein besonderes Augenmerk auf den Einsatz von Kamikaze-Flugzeugen. Da selbst die Schulungspiloten der Kampfflugzeuge und Bomber fĂŒr den Einsatz abkommandiert waren, setzten die Japaner nun QuantitĂ€t gegen QualitĂ€t. Die Armee und SeestreitkrĂ€fte hatten bis zum Juli mehr als 10.000 Maschinen einsatzbereit, im Oktober sollten es deutlich mehr sein. Die Japaner planten, alle Flugzeuge einzusetzen, die die Invasionsflotte erreichen konnten.
In der Schlacht um Okinawa war es den Kamikazefliegern gelungen, ein TrefferverhĂ€ltnis von 9:1 zu erreichen, das heiĂt, jede neunte Attacke war ein Treffer. In KyĆ«shĆ« hofften sie durch die besseren UmstĂ€nde, ein 6:1-VerhĂ€ltnis zu erreichen. Daher wurde erwartet, dass die Maschinen mehr als 400 Schiffe versenken wĂŒrden. Dadurch, dass die Piloten auch auf die Erkennung von Transportern, neben FlugzeugtrĂ€gern und Zerstörern, trainiert wurden, sollten die alliierten Verluste ĂŒberproportional höher als auf Okinawa ausfallen. Eine Studie des FĂŒhrungsstabs sprach sogar von einer möglichen Zerstörung eines Drittels oder gar der HĂ€lfte der Invasionsflotte.
SeestreitkrÀfte
Durch die sehr hohen Verluste in der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte und den Luftangriffen auf ihre Marinebasen hatten die Japaner kaum noch gröĂere Schiffseinheiten als Zerstörer. Im August waren etwa 100 Kleinst-U-Boote des KĆryĆ«-Typs und rund 250 des KairyĆ«-Typs fertiggestellt. Dazu kamen 800 Sprengboote des ShinâyĆ-Typs der Armee.
Bodentruppen
Um einer amphibischen Landeoperation zu begegnen, hat der Verteidiger zwei Möglichkeiten: eine starke Verteidigung der StrĂ€nde oder eine Verteidigung aus der Tiefe. In einer frĂŒheren Phase des Krieges, beispielsweise 1943 auf Tarawa, setzten die Japaner darauf, mit einer starken Streitmacht die StrĂ€nde zu verteidigen, fast ohne Reserveeinheiten heranziehen zu können. Diese Taktik erwies sich allerdings als sehr anfĂ€llig angesichts der Bombardierungen der KĂŒste, die einer Invasion vorangingen. Daher zogen die Japaner spĂ€ter auf Peleliu, Iwo Jima und Okinawa die andere Strategie vor und gruben ihre Einheiten im besser zu verteidigenden Terrain des Hinterlandes ein. Dies fĂŒhrte zu langen, aufreibenden Schlachten mit hohen amerikanischen Verlusten, letztlich allerdings ohne Erfolgsaussichten fĂŒr die Japaner.
FĂŒr die Verteidigung von KyĆ«shĆ« setzten die Japaner auf eine gemischte Taktik. Die HauptstreitkrĂ€fte lagen einige Kilometer im Inland hinter den StrĂ€nden, um einem Bombardement aus dem Weg zu gehen, aber nahe genug, um den Alliierten keine Möglichkeit zu bieten, einen BrĂŒckenkopf aufzubauen, bevor sie auf die Verteidiger treffen wĂŒrden. Die Gegenangriffseinheiten lagen jederzeit eingreifbereit weiter im Landesinneren, um zum meistumkĂ€mpften Strand vorrĂŒcken zu können.
Im MÀrz 1945 lag erst eine Division in Kyƫshƫ. In den nÀchsten vier Monaten zogen die Japaner aus Mandschukuo, Korea und Nordjapan weitere Einheiten ab und brachten sie nach Kyƫshƫ. Mitte August belief sich die komplette TruppenstÀrke dort auf etwa 900.000 Soldaten. Es lagen 14 Divisionen und kleinere Truppeneinheiten dort sowie drei Panzerbrigaden.
| | Annahme fĂŒr den 1. November 1945 | Aktuell am 12. Mai 1945 | Aktuell am 16. Juni 1945 | Aktuell am 2. August 1945 [ Tab01 1 ] |
|---|---|---|---|---|
| LandstreitkrÀfte der Armee | 230.000 | 128.000 | 160.000 | 346.000 |
| LandstreitkrÀfte der Marine | 25.000 | 25.000 | 45.000 | 90.000 |
| LandstreitkrÀfte der Luftwaffe | 95.000 | 93.000 | 95.000 | 98.000 |
| Gesamt | 350.000 | 246.000 [ Tab01 2 ] | 300.000 | 534.000 |
cite-note-151. Die in verbreiteten offiziellen SchĂ€tzungen fĂŒr den 2. August 1945 aufgefĂŒhrten Zahlen umfassten 9.000 zusĂ€tzliches Personal in Bodeneinheiten der Armee und 2.000 weitere in Luft-Boden-Komponenten. Diese StreitkrĂ€fte waren jedoch nicht wirklich auf KyĆ«shĆ« stationiert; Sie befanden sich auf den Ă€uĂeren RyĆ«kyĆ«s, waren aber dem Hauptquartier der 16. Regionalarmee auf KyĆ«shĆ« unterstellt worden. Aus GrĂŒnden der zeitlichen Konsistenz wurden solche Truppen aus den Ă€uĂeren RyĆ«kyĆ«s von den Vergleichen der StreitkrĂ€fte auf KyĆ«shĆ« zu verschiedenen Zeitpunkten in dieser Studie ausgeschlossen.
cite-note-162. Die Mitarbeiter von MacArthur gaben ihre eigene SchĂ€tzung der aktuellen und zukĂŒnftigen TruppenstĂ€rken ab. Die aktuelle Gesamtzahl lag etwas unter den Zahlen des US War Departmentâs Military Intelligence Service (MIS) - 228.000 statt 246.000. Dies spiegelte eine geringere Anzahl von Truppen wider, die StĂŒtzpunkt- und DienstunterstĂŒtzungsfunktionen zugeschrieben wurden. Die SchĂ€tzungen des Stabs ĂŒber Bodentruppen der Armee und der Marine â 225.000 bzw. 25.000 â waren fast identisch mit den MIS-Zahlen des Kriegsministeriums. Die Mitarbeiter von MacArthur gingen davon aus, dass das BodenunterstĂŒtzungspersonal der japanischen Luftwaffe um bis zu 50.000 reduziert werden wĂŒrde, wenn Lufteinheiten an Orte auf anderen Inseln verlegt wĂŒrden, von denen sie immer noch LuftunterstĂŒtzung mit geringerem Risiko durch die Invasionstruppe leisten könnten. Dieser Unterschied hatte keinen wesentlichen Einfluss auf das Bodenkampfpotential in den KrĂ€fteprojektionen der beiden Nachrichtendienste
Zwar konnten die Japaner viele neue Soldaten rekrutieren, aber es fehlte an AusrĂŒstung fĂŒr die Truppe. Im August gab es in ganz Japan 65 Divisionen, die AusrĂŒstung reichte jedoch nur fĂŒr etwa 40 und die Munition nur fĂŒr 30. Zwar setzten die Japaner nicht alles auf den Ausgang der Schlacht um KyĆ«shĆ«, aber ihre Hauptanstrengungen waren doch so stark darauf ausgerichtet, dass kaum Reserven ĂŒbrigblieben. So besaĂen die Truppen auf KyĆ«shĆ« etwa 40 Prozent aller Munitionsreserven.
Ziviler Einsatz
ZusĂ€tzlich hatten die Japaner alle Zivilisten aufgerufen, sich in patriotischen Kampfkorps zu organisieren, um UnterstĂŒtzung zu leisten und auch selbst KampfeinsĂ€tze auszufĂŒhren. GrundsĂ€tzlich mangelte es an Waffen und Training, aber es wurde erwartet, dass sich jeder mit aller Macht gegen die Invasion stemmen wĂŒrde.
Unter den sich wiederholenden Variationen des Slogans âDer glorreiche Tod der 100 Millionenâ sollten alle MĂ€nner im Alter von 15 bis 60 und alle Frauen im Alter von 17 bis 40 mobilisiert werden. Von den Zivilisten wurde erwartet, dass sie mit den Soldaten bis zuletzt kĂ€mpfen und sterben wĂŒrden, und als Ergebnis umfangreicher japanischer Propaganda hatten sich die meisten japanischen Zivilisten Ende 1945 mit diesem Schicksal abgefunden.
âWenn wir bereit sind, 20 Millionen japanische Leben zu opfern, wird der Sieg unser sein!â
â
Admiral
Ćnishi TakijirĆ
Die Japaner planten auch, dass im Falle einer Invasion Japans alle alliierten Kriegsgefangenen hingerichtet werden sollten; das wÀren etwa 15.000 tote Amerikaner und etwa 100.000 Alliierte insgesamt gewesen, ohne die Opfer der Invasionstruppen gerechnet.cite-ref-4-14-2[12]
Neuere alliierte AbschĂ€tzungen fĂŒr Operation Olympic
Der US-Geheimdienst bemĂŒhte sich im Sommer 1945 weiter um möglichst genaue AbschĂ€tzungen der Verteidigungsmöglichkeiten der Japaner auf KyĆ«shĆ«.
Luftverteidigung
Ein Angriff auf die Landungsflotte schon auf See wĂŒrde den Japanern deutlich leichter fallen, als es noch auf Okinawa der Fall war, wo ihre Flugzeuge einen langen Weg ĂŒber See zurĂŒcklegen mussten. Zur Verteidigung KyĆ«shĆ«s könnten sie ĂŒber Land fliegen und benötigten zu den Schiffen nur eine kurze Distanz ĂŒber Wasser. Zudem kristallisierte sich heraus, dass die Japaner fast alle ihre Kampfflugzeuge dem Kamikaze-Unternehmen unterordneten. Die Armee ging in einem Bericht im August von bis zu 5911 Flugzeugen aus. Die US Navy, die keinen Unterschied zwischen Trainings- und Kampfflugzeugen machte, schĂ€tzte die Zahl fĂŒr August auf ĂŒber 10.000.
Admiral Nimitz entwarf einen Plan zur VortĂ€uschung einer Invasion einige Wochen vor Olympic, bei dem eine Flotte mit Schiffen, die vom Bug bis zum Heck mit FlakgeschĂŒtzen bestĂŒckt wĂ€ren, auf die Insel zulaufen sollte. Wenn die Japaner mit ihren Kamikazefliegern, die nur fĂŒr den Hinflug mit Treibstoff betankt waren, auf diese Schiffe trĂ€fen, wĂŒrden sie schon einen GroĂteil ihrer LuftunterstĂŒtzung fĂŒr die spĂ€tere Invasion verlieren.
Bodenverteidigung
Von April bis Juni verfolgte der US-Geheimdienst die AufrĂŒstung KyĆ«shĆ«s, bei der auch fĂŒnf Divisionen auf die Insel verlegt wurden. Basierend auf diesen Beobachtungen sowie dem Abhören und EntschlĂŒsseln des japanischen militĂ€rischen Funkverkehrs schĂ€tzten die Amerikaner, dass bis zum November etwa 350.000 Soldaten auf KyĆ«shĆ« stationiert sein wĂŒrden. Dies Ă€nderte sich aber rapide im August, als auf einen Schlag vier neue Divisionen entdeckt und die Anzeichen fĂŒr weitere Verlegungen und Rekrutierungen ausgemacht wurden. Im August lag die Anzahl bei 600.000 Soldaten, mehr als das Dreifache der bisherigen Erwartungen.
Einsatz chemischer Waffen
Durch die vorhersagbaren Windrichtungen war Japan anfĂ€llig fĂŒr Gasangriffe. Solche Angriffe wĂŒrden die japanischen Möglichkeiten, aus Höhlen heraus zu kĂ€mpfen, stark einschrĂ€nken.
Das Genfer Protokoll von 1925 schloss den Einsatz chemischer Kampfstoffe ausdrĂŒcklich aus, aber weder die USA noch Japan hatten es unterzeichnet. Zwar hatten die Amerikaner zu Beginn des Pazifikkrieges versprochen, chemische Waffen nicht einzusetzen, aber die Japaner hatten schon gegen China in der Mandschurei (Einheit 731) Gas verwendet. Dies bot den USA ein Argument fĂŒr den Einsatz chemischer Waffen.
Einsatz atomarer Waffen
Am Abend des 16. Juli â PrĂ€sident Trumans zweitem Tag bei der Potsdamer-Konferenz â erhielt er eine kryptische Benachrichtigung, dass die Atombombe am frĂŒhen Morgen in Alamogordo, New Mexico, erfolgreich getestet worden war. FĂŒnf Tage spĂ€ter erhielt er per Sonderkurier einen ausfĂŒhrlichen Bericht ĂŒber die Testergebnisse von General Leslie Groves. Dies war am selben Tag, an dem der MilitĂ€rgeheimdienst berichtete, dass die Zahl der identifizierten japanischen Kampfdivisionen auf KyĆ«shĆ« auf neun gestiegen war.cite-ref-3-5-7[4] Am 26. Juli unterzeichneten die USA, GroĂbritannien und China die Potsdamer ErklĂ€rung, in der Japan zur bedingungslosen Kapitulation aufgefordert wurde. Drei Tage spĂ€ter gab die japanischen Presseagentur DĆmei Tsushin ein KommuniquĂ© bekannt, in der diese zurĂŒckgewiesen wurde.
Auf GeheiĂ von General Marshall befasste sich Major General John E. Hull mit dem taktischen Einsatz von Atomwaffen. Er meldete, dass am X-Day sieben Bomben zur VerfĂŒgung stehen wĂŒrden, die gegen die japanischen Verteidiger eingesetzt werden könnten. Daraufhin warf Colonel Seeman ein, dass die eigenen Truppen ein durch eine Atombombe getroffenes Gebiet erst nach 48 Stunden betreten könnten; das Risiko des Fallouts sowie die tatsĂ€chliche Sprengkraft der nuklearen Bombe war den MilitĂ€rs damals nicht klar, da nicht einmal die Wissenschaftler des Manhattan-Projekts genaue Aussagen dazu machen konnten.
Am Morgen des 31. Juli erhielt PrĂ€sident Truman ein Telegramm von Kriegsminister Henry Stimson, in dem um Genehmigung eines Entwurfs einer öffentlichen ErklĂ€rung gebeten wurde, die unmittelbar nach dem Abwurf der ersten Atombombe auf Japan veröffentlicht werden soll. Truman schrieb seine Antwort mit Bleistift auf die RĂŒckseite des Stimson-Kabels, und es wurde sofort nach Washington geschickt. Darin stand: âVorschlag genehmigt. Einsatz, wenn bereit, aber frĂŒhestens am 2. Augustâ (d. h. nach Trumans Abreise aus Potsdam). Dies geschah zwei Tage, bevor der MilitĂ€rische Nachrichtendienst seinen Bericht ĂŒber elf Divisionen auf KyĆ«shĆ« veröffentlichte, der in der Empfehlung des Joint War Plans Committee zum Studium von âAlternativen zu OLYMPICâ zitiert wurde.cite-ref-3-5-8[4]
Alternative Ziele
Bedingt durch die hohe und weiter steigende Truppenkonzentration der Japaner auf KyĆ«shĆ« begann der amerikanische FĂŒhrungsstab mit Ăberlegungen zu einem Alternativplan, der die Invasion der Insel Shikoku sowie Nord-HonshĆ« bei Sendai oder Ćminato (heute: Mutsu) einschloss. Auch eine direkte Landung in der Bucht von Tokio wurde diskutiert, da in Nord-HonshĆ« weit weniger Verteidigungstruppen lagen. Allerdings hĂ€tte dies die Aufgabe der LuftunterstĂŒtzung durch landgestĂŒtzte Flugzeuge, bis auf die B-29, aus Okinawa bedeutet.
Erwartete Opferzahlen fĂŒr âDownfallâ
Da von den Japanern ein aufopferungsvolles, das eigene Leben nicht schonende Verteidigungsverhalten erwartet wurde und die hohe VerteidigungsstĂ€rke bekannt war, wurden hohe Verlustzahlen als unabwendbar angesehen. Wie hoch sie genau sein wĂŒrden, konnte niemand vorausbestimmen. Es existierten viele SchĂ€tzungen, die in ihren Zahlen aber weit auseinander lagen. Sie dienten zum einen der AbwĂ€gung von Pro und Contra fĂŒr eine Invasion und wurden spĂ€ter zur Rechtfertigung der US-amerikanischen Entscheidung zum Einsatz der Atombombe herangezogen.
Beispiele:
AbschĂ€tzung des Generalstabs im April 1945: 456.000 Opfer, darunter 109.000 Tote bei einer Dauer von 90 Tagen fĂŒr die Operation Olympic. Nach weiteren 90 Tagen und abgeschlossener Operation Coronet insgesamt 1,2 Mio. Opfer, darunter 267.000 Tote. Admiral William Leahy schĂ€tzte, dass allein auf KyĆ«shĆ« mehr als 250.000 Amerikaner getötet oder verwundet werden wĂŒrden. General Charles Willoughby, Geheimdienstchef von General Douglas MacArthur, dem Obersten Befehlshaber des SWPA, schĂ€tzte die amerikanischen Opfer bis zum Herbst 1946 auf eine Million Mann. Willoughbys eigener Geheimdienst hielt dies fĂŒr eine konservative SchĂ€tzung.cite-ref-0-9-3[8]
Bei einer Konferenz mit PrÀsident Truman am 18. Juni variierten die Zahlen von 31.000 bis 70.000 Opfer nach 30 Tagen.
Studie von William B. Shockley fĂŒr den Stab des Kriegsministers Henry L. Stimson zur Eroberung der japanischen Inseln: 1,7 bis 4 Mio. Opfer, davon 400.000 bis 800.000 tote Alliierte. Japanische Opfer wurden auf bis zu 10 Mio. geschĂ€tzt, eine starke zivile Verteidigung unterstellend.cite-ref-2-2-2[2]cite-ref-chant1-6-1[5]
Siehe auch
Anmerkungen
cite-note-3A 1. â AGF â Army Ground Forces
cite-note-11A 2. â Der ursprĂŒngliche Deckname fĂŒr Olympic war Majestic. Der Name wurde allerdings ausgetauscht, aus Angst, dass er kompromittiert worden sein könnte.
Literatur
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âą Clayton K. S. Chun: Japan 1945 - From Operation Downfall to Hiroshima and Nagasaki. Bloomsbury Publishing, 2013, ISBN 978-1-4728-0020-6 (englisch).
âą D. M. Giangreco: Hell to Pay: Operation Downfall and the Invasion of Japan, 1945-47. Naval Institute Press, 2009, ISBN 978-1-59114-316-1 (englisch).
âą Thomas B. Allen, Norman Polmar: Code-name Downfall, The Secret Plan to Invade Japan and why Truman Dropped the Bomb. Simon & Schuster, 1995, ISBN 978-0-684-80406-4 (englisch).
âą Richard B. Frank: Downfall - The End of the Imperial Japanese Empire. Random House, 1999, ISBN 978-0-679-41424-7 (englisch).
âą John Ray Skates: The Invasion of Japan, Alternative to the Bomb. University of South Carolina Press, 1994, ISBN 978-0-87249-972-0 (englisch).
Weblinks
Commons
: Operation Downfall
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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âą The Library of Congress (Hrsg.): Report of the occupation of Japan - Sixth United States Army. (englisch, loc.gov [PDF; abgerufen am 5. November 2021]).
âą Originaldokument der Operation Downfall (englisch, PDF-Datei)
âą William Neff: V-J DAY: THE END OF WORLD WAR II - The invasion that never was. (PDF) In: The Plain Dealer. 14. August 2005, abgerufen am 22. Juli 2022 (englisch).
Einzelnachweise
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